Facebookgate?

Sowohl Facebook als auch Google sind in unserem Staat voller wohlbehüteter (vollüberwachter) Bürger beide ein gern gesehenes Feindbild sogenannter Datenschützer.
Diese relativ weit verbreitete Hysterie hat in 2 Klicks für mehr Datenschutz einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.
Grundgedanke ist hier immer, dass die Mehrheit der Internet-Nutzer, nämlich die “Da geb’ ich doch einen Scheiß drauf”-Fraktion, vom Staat vor ihrer eigenen Ignoranz beschützt werden muss.

Aus der Frage, ob der Staat das Denken für den unbedarften Nutzer übernehmen muss oder sollte, ergibt sich eine tiefe Spaltung in der vielbeschworenen (<irony>völlig homogenen</irony>) Masse, die von Qualitätsmedien gerne Netzgemeinde genannt wird:

  • Post-Privacy-Spackos (siehe auch Spackeria
    “All Your Data Are Belong To Us!!1″
  • Datenschutz-Spackos (siehe auch Ilse Aigner)
    “Wir regulieren das jetzt, bis es kaputt ist.” bei gleichzeitiger Einführung von Vorratsdatenspeicherung (dagegen läuft z.Zt. eine Petition, die ihr unter http://zeichnemit.de/ mitzeichnen könnt und solltet), INDECT usw. usf.
  • der vernünftig denkende Rest, der auf Grund andauernder Fazialpalmierung über Hornhaut im Gesicht verfügt.

Der fabulöse @ekelias hat die Gesamtsituation mit folgendem Bild vortrefflich zum Ausdruck gebracht:

Datenschutzfag vs. Spackeriafag
(dieser grinsende Mann ist übrigens unser Innenminister Hans-Peter Friedrich)

Spaltende Spaltereien spalten.

Schauen wir uns die Ist-Situation doch mal ganz objektiv an…

Ghostery ist ein Firefox-Plugin, das sowohl die auf Websites verwendeten Trackings anzeigen als auch diese (auf Wunsch selektiv) blockieren kann. Zusätzlich bietet es Informationen darüber an, was genau denn von wem überhaupt alles getrackt werden möchte.

Bei Facebook wird bespielsweise via Facebook Social Plugins/Facebook Connect folgendes getrackt:

  • Anonymous (browser type, location, page views)
  • Pseudonymous (IP address, “actions taken”)

Der Beelzebub Google Analytics trackt folgendes:

  • Anonymous (ad serving domains, browser type, demographics, language settings, page views, time/date)
  • Pseudonymous (IP address)

Beide geben diese Informationen auch an Dritte weiter. Facebook löscht diese Daten nach 90 Tagen, bei Google gibt es zu diesem Thema keine Information.

So. Und nachdem wir jetzt alle Ghostery installiert haben machen wir uns mal einen Spaß und besuchen irgendeine auf WordPress.com gehostete BlogIn, beispielsweise http://ponyrage.wordpress.com/.

Dort sind drei Trackings vorhanden:
Comscore Beacon, Quantcast und WordPress Stats.
Von diesen löscht lediglich Quantcast die Daten nach 13 Monaten, die anderen beiden machen hierzu keine Angaben. Sowohl Comscore Beacon als auch Quantcast machen die Angabe, diese Daten in (bei Quantcast wohl nur teilweise) anonymer Aggregation an Dritte weiter zu reichen. Diese Anonymisierung ist bei WordPress Stats nicht gegeben.

Wenn Google oder Facebook böse sind, dann sind es WordPress-Blogs auch.

Verbieten?

Man kann hier sehr schön sehen, dass die gesamte Diskussion um Google und/oder Facebook eine einzige große Nebelkerze darstellt. Wenn man sich in diesem bösen Internetz bewegt, dann hinterlässt man Spuren. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb es sich eben nicht um einen rechtsfreien Raum handelt. Wenn ich auf eine Seite zugreife, legt diese üblicherweise diesen Zugriff in einer Log-Datei ab. Zusammen mit der zugreifenden IP.

Will man das sicher umgehen, dann führt nichts an (teils eher umständlichen) zusätzlichen Werkzeugen wie beispielsweise Tor, I2P oder anonymisierende Proxies vorbei. Zusätzlich sollte außerdem der pr0n-Modus des Browsers verwendet werden. Und außerdem, ganz wichtig und generell eine gute Idee: Hirn einschalten!

Wer etwas anderes behauptet, und Angriffe auf Google oder Facebook als “Schutz des unbedarften Users” verkauft, unterstützt lediglich die Nebelkerzen unserer Regierung, die einen falschen “Die sorgen sich um unsere Daten. Die tun was!”-Eindruck erzeugen möchte, bloß weil man dann neuerdings zweimal Klicken muss, um etwas zu “liken”.
Da ist es ähnlich sinnvoll, brav zu sein, damit man vom Nikolaus ein Geschenk bekommt.

Disclaimer:
Ich mag Facebook übrigens selbst nicht und nutze es folgerichtig auch nicht. Macht entfernt Sinn, oder? Das pöse Tracking vermeidet Ghostery für mich.

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Printed from: http://druffhabler.de/2011/09/facebookgate/ .
© 2014.

11 Comments   »

  1. Ponyrage says:

    Dass unsere Regierung Nebelkerzen wirft, indem sie auf der einen Seite Datenschutz simuliert (gegen Facebook etc.), um auf der anderen Seite “still und heimlich” die Vorratsdatenspeicherung durchzusetzen, ist eine Verschwörungstheorie, die schon einer Überprüfung an der offensichtlichen Wirklichkeit nicht standhält. Denn offensichtlich ist unser Blick ja nicht vernebelt, weshalb Alvar Freude sich kürzlich bereits durch seinen Kompromissvorschlag sehr sehr unbeliebt gemacht hat.

    Es ist auch naiv zu glauben, dass sich das Verbraucherschutzministerum von Landwirtschaftsministerin Aigner mit dem bösen Herrn Friedrich zusammengesetzt hat, um “Nebelkerzen” zu werfen. Eher ist es so, dass beide sehr darum kämpfen, bis zum Ende der Legislaturperiode, die ja nun schon zur Hälfte rum ist, noch was Vorzeigbares zustande zu bringen. Friedrich will seine Überwachungsfantasien irgendwie umsetzen, weil das halt in sein Ressort fällt, Aigner will noch irgendwas zum Verbraucherschutz beitragen.

    Datenschutz gehört schlicht zum Verbraucherschutz, und jeder der Datenschutz prinzipiell infrage stellt, vergeht sich damit am Verbraucherschutz. Auch der Unkundige hat ein Recht darauf, dass seine Interessen gewahrt werden. Und es ist nunmal eine grundrechtlich verbürgte Rechtsposition (informationelle Selbstbestimmung), dass die Daten von Tante Frieda, die mit Mühe und Not ihre Häkelseite aufrufen kann, geschützt werden, auch wenn sie nicht versteht, worum es dabei technisch genau geht. Dass ihr unwohl ist wenn man ihr sagt, dass ihre Daten gespeichert und verknüpft werden, genügt völlig als Legitimation, hier vorbeugend strengere Regeln zu verlangen.

    Wer was anderes will, der tut dies aus seinen egoistischen Eigeninteressen, zum Beispiel weil er mittelbar oder unmittelbar in diesem Bereich seine Brötchen verdient. Diese Leute darf man hier gar nicht mitreden lassen, das ist nämlich Lobbyismus reinsten Wassers, der andernorts von den gleichen Lobbyisten scheinheilig als anrüchig gebrandmarkt wird.

    Pfui!

  2. Huxi says:

    Ich hab’ hier weder Daten- noch Verbraucherschutz in Frage gestellt. Beides ist meiner Meinung nach extrem wichtig. Wenn ich Facebook oder Google “Löscht mich!” sage, dann haben die das gefälligst auch zu tun. Genauso haben Anbieter gefälligst meine Daten ordentlich gesichert abzulegen, diese auf Nachfrage zu löschen und nicht an Dritte weiterzugeben sofern ich das nicht explizit erlaubt habe.

    Das Facebook die “action” protokolliert, wenn ich auf den Like-Button klicke, ist doch wohl eine völlig logische Konsequenz.

    Das sich Friedrich (CSU) mit Aigner (CSU) oder von der Leyen (CDU) zusammensetzt, und gemeinsam Strategien ausarbeitet, ist natürlich völlig abwegig und naiv. Die sitzen sich, wenn sie sich begegnen, bestimmt immer schweigend gegenüber und gehen in sich.

    Was den vernebelten Blick angeht:
    ich dachte es geht hier darum, die inkompetente Masse zu beschützen, die nicht einmal zu Selbstschutz in der Lage ist. Für genaue diese Gruppe (leider immer noch die Mehrheit) sind die Nebelkerzen gedacht. Und die funktionieren auch vorzüglich, wenn wir uns nicht dagegen zur Wehr setzen – wie uns Zensursula deutlich gezeigt hat.

    Falls die letzten beiden Absätze auf meine Tätigkeit im Marketing-Sektor abzielen, würde mich doch mal interessieren, wie in diese persönliche Verschwörungstheorie von Dir rein passt, dass ich in diesem Artikel erläutert habe, wie man den ganzen Tracking-Quatsch umgeht – wohlgemerkt den ganzen Tracking Quatsch, nicht bloß medienwirksam Google und/oder Facebook. Ist aber vermutlich nur ein fieser Trick…

    Oder sind das unterschiedliche Sachen? Tracking ist ok, wenn du weißt, wie viele Klicks dein neuester Blog-Eintrag bekommen hat? Wo genau liegt da jetzt der Unterschied? Ok, ein Unterschied ist, dass Facebook die Daten nur 90 Tage aufhebt und WordPress ewig. Aber ansonsten? Was würde Tante Frieda dazu sagen, wenn sie davon erfahren würde? (Was sie nicht tut, da BILD nicht darüber berichtet.)

  3. Ponyrage says:

    Klicks zählen kann man auch völlig ohne Erhebung der IP-Adresse. Dass das dann eventuell manipulierbar ist, muss notfalls hingenommen werden (es gibt aber auch Kompromisse zwischen Datenschutz und Manipulationssicherheit). Und ich rede hier weder von dir noch davon, dass WordPress.com nicht datenschutzkonform ist. Das ist eben so, wenn ich Inhalte auf eine Blogplattform im Ausland stelle (deutsche Unternehmen sollten das nicht dürfen).

    Von der Leyen ist inzwischen mit GANZ anderen Dingen befasst. Oder glaubst du wirklich dass die den Racheengel spielt und furchtbar böse ist und unbedingt unser schönes Internet kaputt machen will? -> Ausgang Verschwörungstheorie, jeder nur ein Kreuz.

    Verbraucherschutz und Inneres haben nichts, aber auch GAR NICHTS miteinander zu tun. Und ja, ich glaube dass sowohl Aigner als auch Friedrich Besseres zu tun haben, als sich zu konspirativen Operationen zu verabreden.

    Und was soll denn eigentlich die Nebelkerze sein, wenn zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte von verschiedenen Ministerien ohne innere Verbindung zueinander verfolgt werden? Dann könnte man ja immer von Nebelkerzen reden, wenn die aktuelle Politik mehr als ein Thema bearbeitet. “Guck mal, die reden auch noch über andere Themen als über mein Lieblingsthema, die wollen doch nur ablenken!” Hallo? Sonst alles klar?

    Tatsächlich SCHAFFT doch das Thema Datenschutz sogar ein generelles Problembewusstsein für Datenerhebungen. Warum sollte jemand, der den Datenschutz richtig findet, für die Vorratsdatenspeicherung sein? Eher ist es doch wahrscheinlich, dass er sich auch gegen die Vorratsdatenspeicherung entscheidet, oder? Außer er findet, dass der Staat hier privilegiert werden sollte. Das ist dann aber sogar eine differenziertere Betrachtung, nicht eine die auf Nebelkerzen beruht.

    Diese Nebelkerzentheorie ist kompletter Unsinn und nur ein weiterer untauglicher Versuch der Spackeria, irgendwelche Argumente für sich zu konstruieren, hilflos mit den Armen rudernd.

    Tatsächlich missbraucht *die Spackeria* das Thema Vorratsdatenspeicherung für ihr Ziel: sie behaupten, dass das Thema Datenschutz vom Thema Vorratsdatenspeicherung ablenkt (und Vorratsdatenspeicherung finden wir alle schlecht). Und schwupps, hinterfragt niemand mehr ihre “fortschrittlichen” Ideen zur privaten Datenspeicherung. Und mit fortschrittlich meine ich komplett bescheuert. Und wer es dennoch tut, ist ein Spalter, weil er Kräfte vom Thema Vorratsdatenspeicherung abzieht.

    Die Spackeria-Typen sind geistig so arm, dass sie zu argumentativen Tricks greifen müssen, um ihr Anliegen zu legitimieren. Das habe ich auch schon mal dargelegt.

    http://ponyrage.wordpress.com/2011/08/23/schramm-geschreddert-1

  4. Huxi says:

    Die Nebelkerze ist, dass sich die gute Ilse demonstrativ bei Facebook abmeldet (Herr Zuckerberg hat sicher bitterlich geweint!) und via BILD ein ganzes Land in Häuserverpixelungshysterie geschubst hat (Tante Frieda will ja nicht ihr Wohnzimmer von diesem Google fotografieren lassen).

    Das wird dann Datenschutz genannt. Insofern ist gerade Frau Aigner diejenige, die (echten) Datenschützern einen Bärendienst erweist. Indem sie Datenschutz lächerlich macht.

    Anstelle sich um tatsächliche Probleme zu kümmern, die es ja auch zu Genüge gibt, wird – mal wieder – nur Symbolpolitik betrieben. Wo kümmert sich denn der Verbraucherschutz bspw. um 2px große Sternchentexte? Warum wird nicht Sony für die ungenügende Sicherung ihrer Kundendaten über’s Knie gelegt? Häkchen setzen muss sein, aber Geschäftsbedingungen und Datenschutzvereinbarungen sind trotzdem so geschrieben, dass sie Tante Frieda a) nicht lesen und b) nicht verstehen wird (Lawfags mögen die durchschnittliche EULA hinreichend verständlich finden. Hint: sie ist es nicht!)
    Und warum ist es in Ordnung, wenn Tante Frieda via Quiz- und Astro-TV die Kohle aus der Tasche gezogen wird? Oh, die ist selbst schuld weil sie da anruft? Es stand da ja in 2px Schrift?

    Sorry, aber das ist – für mich! – kein Verbraucherschutz.
    Die häufigste Lüge im Internet: Ich habe die Nutzungsbedingungen gelesen.

    Währenddessen wird – fernab von jeglicher Berichterstattung im Mainstream – unter anderem die Vorratsdatenspeicherung wieder angekurbelt und an INDECT weitergebastelt. Was ist denn bitte Google oder Facebook gegen ACTA?

    Ob es da eine Absprache gab oder nicht ist für das Ergebnis unerheblich. Zur Mainstream-Medien-Belustigung reicht auch Yvonne (ehemals Angie). Das ist herzerwärmend und gefällt Frieda. Zumal sie ja jetzt doch nicht geschlachtet wird. Hach.

    Das nebelkerzige ist der falsche Eindruck, unsere Regierung würde sich Sorgen um unsere Daten oder deren Sicherheit machen während sie sie hintenrum missbraucht.

  5. Huxi says:

  6. mysha says:

    Natürlich ist Facebook nicht besser oder schlechter als jeder andere Webseitenbetreiber, der seine Besucher aus kommerziellen Gründen trackt und überwacht.
    Aber aus meiner Sicht eignet sich FB ideal als Sündenbock, um das Datenschutzbewußtsein des Ottonormal-Internetbesuchers zu schärfen:
    Während nicht jeder WordPress.com kennt (stellt euch vor, es gibt auch Nicht-Blogger im Netz) und Comscore, Quantcast oder bei uns die IVW ohne entsprechende Plugins nicht sichtbar sind, ist der Like-Button allgegenwärtig und jeder kennt FB (oder ist sogar dort angemeldet).
    Ich denke man kann niemandem einen Vorwurf machen, dass nicht alle Datenschutzverbrecher auf einmal verfolgt werden, warum beschwert man sich aber, dass bei einem der bekanntesten, am weitesten verbreiteten und dazu noch völlig offensichtlichen Betreiber angefangen wird?
    Auch wenn ich bezweifle, dass FB sich kurzfristig erweichen läßt, etwas zu ändern, wäre es doch schonmal ein großer Erfolg für meine und eure Daten, wenn dort etwas passieren würde. Dass danach all die anderen nicht ignoriert werden dürfen, sollte klar sein!

  7. Ponyrage says:

    Der Datenschutz an sich wird durch Facebook-Austritte oder Häuserverpixelungen nicht lächerlich gemacht. Was Facebook angeht: es gab schon mehrfach Aufrufe, seinen Facebook-Account zu einem bestimmten Datum zu löschen. Das ist nichts wesentlich anderes als zum Beispiel der Aufruf, seinen PayPal-Account zu löschen, woran du selbst auch schon teilgenommen hast. Solche Aufrufe können durchaus was bringen, auch weil sie Druck auf das betroffene Unternehmen aufbauen (und man selbst kann dann ein reines Gewissen haben, weil man diesen Halsabschneidern keine Legitimation mehr verleiht, nech?).

    Was Verpixelungsorgien angeht: es gibt durchaus gute Gründe dafür, nicht zu wollen, dass das eigene Haus abgebildet wird, nämlich dann, wenn die Daten später mit Wohnanschriften verknüpft werden und jeder sehen kann, wo und worin ich hause. Vielleicht möchte ich im Netz gern einen ordentlichen Eindruck machen, da stört es dann, wenn ich den Vorgartenrasen 6 Wochen lang nicht gemäht habe. Das ist ein berechtigtes Anliegen, denn niemand hat das Recht, allein schon aufgrund meines Vorgartens sagen zu können, dass ich (generell) ein unordentlicher Mensch bin. Das ist nur ein Indiz, und es kann völlig in die Irre führen (weil mich Gartenarbeit einen Dreck interessiert, ich aber ganz toll in anderen Dingen bin).

    Und jetzt komm mir nicht mit ToleranzgeFASEL (Hint Hint!), dass alles gut wird, wenn alle erstmal alles wissen. Das ist auch so ein Denkfehler der Spackeria (wenn sie es denn ernst meinen und uns nicht einfach frech ins Gesicht lügen). Es wird NIEMALS so sein, dass “Äußerlichkeiten” (die man nach deren “Vision” dann alle googeln kann) keine Rolle spielen. Der Mensch hat seine Fähigkeit, auch im Irriationalen zu differenzieren, nicht ohne Grund. Nach dem Gefühl zu gehen und zu sagen “irgendwie trau ich dem nicht, nachdem was ich über den gegoogelt habe”, ist völlig menschlich und normal, und das wird sich NIEMALS ändern. Wir sind ja keine Maschinen (und es ist nicht gesagt, dass Maschinen mit einer rein rationalen Herangehensweise erfolgreicher wären). Deshalb muss jeder auch weiterhin das Recht haben, dass nicht beliebige Datensammlungen über ihn entstehen, die jedermann mit einem Klick abrufen kann. Dass Privatpersonen auch weiterhin private Datensammlungen anlegen können spricht überhaupt nicht dagegen, denn die sind ja nicht allgemein zugänglich für jeden, und sie haben auch nicht die gleiche Autorität wie eine speziell dafür geschaffene Denunziationsplattform, die zum Beispiel ein Crowdsourcing über solche Daten betreiben könnte, womit diese Daten dann einen offiziellen Charakter bekämen und ich mich kaum noch gegen den Eindruck über meine Person wehren könnte, der durch sie von mir gezeichnet wird (ich bin mehr als die Daten, die ihr über mich sammeln könnt).

    Tatsächlich werden solche Datensammlungen zu neuen Formen der Diskriminierung und Ausgrenzung führen.

    Was Kleingedrucktes und EULAs angeht so haben wir heute schon gut funktionierende Regelungen darüber, was in solchen AGB drin stehen darf und was nicht. Das Wettbewerbsrecht und das Verbandsklagerecht sorgen dann dafür, dass Mitbewerber und Verbraucherschutzverbände schwarze Schafe abmahnen können. Wenn neue Datenschutzregelungen erlassen werden, dann werden sie direkt in dieses System der Marktbereinigung eingespeist.

    INDECT und ACTA sind keine Themen des Verbraucherschutzes, sondern gehören ins Innen- und Justizressort. Dafür kann die Ilse nun wirklich nichts. Und in Sommerlochthemen über namentlich bekannte Tiere eine Verschwörung zur Ablenkung von wichtigeren Themen zu sehen… ist eine ganz billige Verschwörungstheorie :P

    “Die Regierung” macht sich keine Sorgen um unsere Daten, “die Regierung” existiert nämlich nicht als Wesen eigener Art. Es kommt immer auf die Personen an, die da für “die Regierung” handeln. Für den Verbraucherschutz ist das Ilse Aigner, die sich gern noch in ihrem Amt beweisen möchte. Und das kann sie nur, wenn sie die Presse davon überzeugen kann, dass sie was für den Verbraucher tut. Daran wird sie gemessen werden, und das bestimmt auch ihr Handeln, ganz ohne Verschwörung. Dass sie sich bisher nicht durch ihre Kompetenz hervorgetan hat, ändert überhaupt nichts an dieser Ausgangssituation.

  8. Huxi says:

    Also von einer Verschwörung bezüglich Nebelkerzen hab’ ich doch überhaupt nix gesagt. Ich hab’ lediglich auf den Nebelkerzen-Effekt der Google- und Facebook-Debatte hingewiesen.

    Was Verpixelung angeht bin ich ganz klar für Panoramafreiheit während das manche aus deiner Zunft offenbar anders sehen. Google-Street-View-Kontroverse
    Ist ja auch wunderbar, wenn man der Zunft weitere Arbeit zuführt. Wird sicherlich lustig, wenn man für jedes in der Öffentlichkeit entstandene Foto dann zukünftig besser ein Rechtsgutachten anfertigen lassen sollte, um eventuell kostenintensive Abmahnungen zu vermeiden. Das ist dann auch Lobbyarbeit, nur eben von der menschenverstandskritischen Lawfaggeria.

    Willst du mir sagen, dass ich einfach allem zustimmen kann, was mir hier im Internet oder auch Offline als Vertrag vorgelegt wird, weil Mitbewerber und Verbraucherschutzverbände das dann schon für mich ausfechten, wenn da irgendwas böses drin steht?
    Wohl doch eher nicht, oder?
    Wenn ich im Qualitätsfernsehen “Was isst man zum Frühstück? a) ein Spiegelei b) einen LKW” gefragt wird und dann pro Anruf bei dieser Hirnbeleidigung 50c via 2px anfallen, dann sehe ICH da einen Fall für den Verbraucherschutz. Offensichtlich ist aber durch die 2px-Einblendung diesem bereits Genüge getan.
    Ich prangere das an!

    Das gleiche gilt auch für EULAs. Die Menge der Leute, die sich die 47-seitige iTunes-EULA durchgelesen haben, dürfte doch eher verschwindend gering sein. (Für’s Protokoll: ich gehöre in diesen elitären Zirkel, mag das aber nicht noch mal durchmachen…)
    Aber DAS ist dann natürlich alles in trockenen Tüchern. Da haben ja vermutlich auch 50 Juristen ihre Finger drin gehabt. Das mag also juristisch alles toll sein, für den Verbraucher ist es aber absolut bescheiden. Und um den sollte es doch in erster Linie gehen, oder?

    Zur Symbolpolitik:
    Ja, so was kann durchaus was bringen. Ja, ich hab’ bei #OpPaypal mitgemacht. Ja, ich hätte auch meinen Facebook-Account gekündigt, wenn ich denn einen gehabt hätte (und zwar weil dort die Privacy-Einstellungen absichtlich kompliziert gestaltet sind – da darf der Verbraucherschutz gerne mal eingreifen).
    Ich nehme mir aber durchaus heraus, die gesamte Regierung, unabhängig von ihren Ressorts (die mir durchaus klar sind), an ihren Taten zu messen. Genau das ist es nämlich, was Tante Frieda auch macht. Für die (also genau die, die du ja so gerne schützen möchtest) gibt es nur die Regierung. Und genau bei der kommt eben “Die passen auf meine Daten auf! Die sorgen sich!” an. Du kannst nicht einerseits mangelnde Selbstverantwortung als Argument gegen Tracking anführen und dann die gleiche Naivität bei der Verarbeitung von Qualitätsjournalismus ausklammern.

    Ich sag’ es noch mal deutlich: keine Verschwörung, lediglich ganz normale Propaganda. Und das ist schlimm genug.

  9. Ponyrage says:

    Zu Nebelkerzen habe ich schon alles gesagt, bei Bedarf einfach oben nachlesen.

    Panoramafreiheit und Recht am eigenen Bild etc.: es ist ein Unterschied, ob jemand Aufnahmen macht und die dann nur irgendwo ins Netz stellt, oder ob zusätzlich diese Informationen mit anderen verknüpft werden, etwa indem automatisch oder manuell die Personen markiert werden, die eigentlich nur aufgenommen werden durften, weil sie in der anonymen Masse des Bildes untergehen. Das Recht, Bilder von Menschen ohne deren Zustimmung aufzunehmen, wenn sie auf dem Bild relativ anonym sind, darf nicht dadurch ausgehöhlt werden, dass man hinterher Informationen hinzufügt, die diese relative Anonymität wieder aufheben. Das wäre ja ein sehr billiger Trick, Menschen gegen ihren Willen abzulichten.

    Es gibt hier zwei Ansatzpunkte, um die Rechte des so Fotografierten zu wahren: einmal im Vorfeld, indem man schon die Aufnahme untersagt (durch einen zivilrechtlichen Unterlassungsanspruch). Andererseits kann man die Aufnahme zwar generell zulassen, dafür aber die Verbreitung einschränken. Hier gibt es wieder mehrere Möglichkeiten: man kann generell einen Unterlassungsanspruch gegen die Verbreitung zulassen. Oder zumindest gegen die Verbreitung auf bestimmten Wegen, über die man sagen kann, dass sie intensiver in die Persönlichkeitsrechte des Abgelichteten eingreifen als andere. Und man kann andererseits die Verknüpfung des Bildes mit anderen Daten des Betroffenen untersagen.

    Und nein, dass ein Bild, wenn es mal im Netz ist, auch von anderen “missbraucht” werden kann, ist hier kein Argument. Das ist eine typische Spackeria-Position, die juristisch völlig unbeachtlich ist. Ich kann jemandem nicht seine Persönlichkeitsrechte mit dem Argument verwehren, dass jeder andere sie auch jederzeit verletzen könnte. Das ist Kinderkacke.

    Das sind alles Möglichkeiten, für die wir kein einziges neues Gesetz brauchen. Das können alles schon heute die Zivilgerichte entscheiden, auf der Basis des Rechts am eigenen Bildes und dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht und der informationellen Selbstbestimmung. Wenn jemand gegen meinen Willen ein Bild von mir macht und dies gegen meinen Willen mit anderen Informationen von mir verknüpft, kann ich schon heute zivilrechtlich dagegen vorgehen. Sollte das automatische Markieren von Personen auf Fotos zum Normalfall werden, so spricht sehr viel dafür, dass ich zivilgerichtlich JEGLICHE Aufnahmen von mir unterbinden können werde.

    Ausnahmen werden dann nur noch für Fälle überwiegender berechtigter Interessen des Fotografierenden gemacht, zum Beispiel um Ereignisse während einer Demonstration dokumentieren zu können. Staatsorgane können sich natürlich nicht auf ihre zivilen Abwehrrechte berufen, während sie Staatsgewalt ausüben, sie sind in diesem Moment ja keine Zivilpersonen. Daraus, dass dann angeblich Fehlverhalten von Polizisten nicht mehr dokumentiert werden kann, wirst du für diese Diskussion also keinen Honig saugen können.

    Der nächste Schritt um die Rechte des Verbrauchers insoweit zu wahren ist dann, Webseiten anzugehen, die die Fotos gegen den Willen der Abgelichteten mit anderen Informationen über sie verknüpfen. Das ist eine flankierende Maßnahme zu den zivilrechtlichen Abwehransprüchen des Abgelichteten. Das Ziel aller dieser Maßnahmen ist die Wahrung von Persönlichkeitsrechten, es unterscheiden sich nur die Ansatzpunkte und die Instrumente.

    Was AGB = EULAs angeht: das wundert dich vielleicht, aber ja, du kannst schon heute fast beliebigen EULAs zustimmen, ohne dir dadurch wesentliche Nachteile einzuhandeln. Dazu empfehle ich die eingehende Lektüre der AGB-Regelungen im BGB (und ihrer Erläuterungen, Kommentierungen und gerichtlichen Konkretisierungen). Im Zweifel wird da einfach für den Verbraucher geurteilt. Klagen musst du natürlich notfalls noch (oder dich wenigstens verklagen lassen, nachdem du deinerseits die Erfüllung des Vertrags verweigert hast).

    Was deinen Rückzug auf pauschale Betrachtungsweisen zur Politik angeht: ja, natürlich darfst du das. Aber ich nehme mir dann auch eine Freiheit heraus, nämlich nicht mehr mit dir zu diskutieren, weil mir meine Zeit dafür zu schade ist.

  10. Huxi says:

    Ich sprach von Häuserfassaden und nicht von Personen…

    Und nicht ich betrachte Politik pauschal sondern Tante Frieda, die zu doof ist, einen Browser zu konfigurieren. Die wird manipuliert.

  11. Ponyrage says:

    Von der Häuserfassade hin zum Tagging mit “hier wohnt Ponyrage” ist es nicht weit, das ist ein Themenkomplex. Und wenn du sagst, Tante Frieda kann einen Browser nicht bedienen und wird manipuliert, dann ist das ein Argument für MEINE Position, nicht für deine. Dass jemand einen Browser nicht bedienen kann heißt nicht, dass er sich nicht mit Politik auskennt.

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